15.09.2015 Dienstag  Inselschwimmen Norderney 2015

Das Schwimmen im Meer stellt einige Herausforderungen für einen selbst geübten Schwimmer dar. Neben gefährlichen Strömungen sind Wellen und das salzhaltige Wasser eine Gefahr. Neben einem möglichen Abtreiben wird man durch die Wellen ständig hin und her geworfen, wodurch man auch etwas Salzwasser verschlucken kann. Verschluckt man zu viel, wird einem schnell schlecht. Übergabt man sich dadurch, kann das relativ prompt zu einer sehr gefährlichen Situation kommen. Diesen Herausforderungen wollten sich 7 Schwimmer aus der OG Braunschweig stellen. Dabei waren auch ein paar, die nicht mehr in Braunschweig wohnen, aber zu diesem Inselschwimmen sind nochmal viele alte Bekannte zusammen gekommen. Mit von der Partie: Amina, Katha, Anne, Johanna, Prisca, Sabrina und Chrischi als Schwimmer; Jens, Thomas und Isa als bewachendes Element mit der Mollymauk zusammen mit vielen anderen DLRG Booten; zu guter Letzt unser Fanclub bestehend aus Anna, Christian und Hannah.

Am Freitag, den 28.08., ging es los in Richtung Norddeicher Campingplatz. Dort schlugen wir unser Quartier auf und nach und nach kamen alle auf verschiedenen Wegen (OG Bus, Privatauto oder Bahn) in Norddeich an. Am Freitag wurde noch miteinander zu Abend gegessen und nach ein paar netten Stunden wurde sich auf die Zelte und Autos verteilt. Für einige war die Nacht ganz angenehm, andere konnten aber 6 Uhr morgens nicht mehr schlafen. Da das Frühstück erst um 10 Uhr geplant war, musste hier noch etwas Zeit überbrückt werden. Wenn dann das Handy nur noch 17% Akkuladung hat, wird das noch deutlich erschwert. Gegen 9 Uhr kamen alle so langsam aus dem Bett und begannen das Frühstück vorzubereiten. Hiernach ging es bei schönem Wetter noch an den leicht mit Strandkörben überfüllten Strand. Dort verweilten und dösten wir mit Eis, Fischbrötchen und ein paar Getränken für diverse Stunden. Danach wurde noch für das abendliche Grillen eingekauft. Dieses Grillen war dann noch ein leckerer Schmaus, bevor es am nächsten Tag in die Nordsee gehen sollte. Bei einigen war schon ein wenig Nervosität zu spüren. Etwas früher als am Abend zuvor ging es ins Bett, da am nächsten Morgen um 7.30 Uhr gefrühstückt werden sollte. Die Bootsbesatzung musste nämlich bereits um 8 Uhr zum Slippen des Bootes im Norddeicher Hafen fahren. Die Schwimmer sowie der Fanclub blieben noch vor Ort, um alles zusammen zu packen und sauber zu machen. Gegen halb zehn ging es dann los Parkplatz 2 am Norddeicher Hafen, wo die Startunterlagen abgeholt, der OG Bus abgestellt und der Fanclub auf die Fähre nach Norderney verabschiedet wurden. Ihn würden wir in geraumer Zeit auf der Insel wiedersehen. In den Startunterlagen gab es ein Teilnehmershirt, eine rote Badekappe, der Transponder (bei dem man etwas brauchte, bis er richtig zusammengetüddelt wurde) und ein kleiner Snack. Nach man sich in den Neo eher gequält als geschmeidig geschlüpft ist, ging es in die bereitgestellten Busse, die uns zum Start in Hilgenridersiel brachten, ein Ort bestehend aus einer Naturbadestelle und gefühlt 2 Häusern. Hier gab es nochmal eine kurze Erklärung und ein Getränk, danach ging es zu einem kleinen 1-km-Fußmarsch über den Deich zum Startbereich. Der Start war in etwa einem Meter tiefen Wasser. Bis man das erreicht hatte und alle Teilnehmer sich an der Startlinie zwischen zwei Booten platziert hatten, war man ein paar hundert Meter in die Nordsee gegangen und es vergingen gut 20 min. Doch dann ging es los! Und ich versuche das mal aus meiner Perspektive zu beschreiben.

Der Weg ins Wasser zog sich irgendwie ganz schön, aber ganz so schlimm war es nicht, da man sich noch mit seinen Mitstreitern noch etwas unterhalten konnte. Die Anspannung stieg jedoch bei jedem Schritt Richtung Startlinie. Für jemanden, der immer ohne Badekappe schwimmt, wurde das Tragen eben dieser immer unangenehmer. Man konnte schon die Reihe von geankerten DLRG Booten sehen, die als Hilfsorientierung zu ersten roten Fahrwasserboje dienten, denn bis zu dieser hatte man sonst nur noch den Leuchtturm auf Norderney, auf den man zuschwimmen musste. So langsam trudelten alle an der Startlinie ein und dann ging es los, jedoch ohne richtiges, einheitliches Startsignal. Ein paar Male wurde begonnen von zehn an runter zu zählen und als sich die ersten entschieden zu starten, wurde der Herdentrieb geweckt und es ging los. Zunächst überall Arme, Beine und aufgeschäumtes Wasser. Der Blick kurz über der Wasseroberfläche Richtung Turm war, auch wenn er hoch in den Himmel ragte, doch sehr schwierig. Die DLRG Boote konnte man durch die Wellen kaum erkennen. Nach den ersten Zügen dachte ich mir schon, dass das nicht ganz so einfach wird wie gedacht. Ab und zu etwas stärker beim Kraulen den Kopf heben, dann hat man ein bisschen was erkannt, die Strömung trieb einen ein bisschen nach links weg, denn die Boote waren auf einmal ganz weit rechts von mir. Die anderen Teilnehmer waren weit verstreut. Die Wellen kamen sehr unregelmäßig mal hoch, mal war gar keine Welle da, dann kam wieder eine und prompt wurde etwas Salzhaltiges verschluckt. Nach den ersten etwa 20 Minuten hatte man sich an das Schaukeln und die Wellen gewöhnt, es ging gefühlt aber eher schleppend voran, denn der Leuchtturm schien nicht wirklich näher zu kommen. Man versucht sich etwas zu beschäftigen, zählt die Züge mit, versucht einen Rhythmus zu finden bis endlich die erste Boje in Sicht ist. Hinter der Boje scharf links, so dass man mit der Strömung dem Ziel entgegen schwimmt. Das Gute: die Wellen kamen jetzt nicht mehr von der Seite. Das Schlechte: man wurde den Leuchtturm irgendwie nicht los! Erst nach diversen Minuten wurde er endlich um den einen oder anderen Millimeter kleiner, während man weitere Bojen passierte, durch die Strömung beinahe eine rammte und gerade noch ausweichen konnte. Die nächsten Bojen zu entdecken und die DLRG Boote, die vor Anker lagen und quasi ein Tor zum Durchschwimmen bildeten, waren wieder sehr schwer zu erkennen. Die Strömung drückte einen etwas vom Land weg und man musste ständig ein bisschen dagegen anschwimmen. Das wäre ja alles gar nicht so wild, wenn man denn vielleicht etwas unter Wasser sehen könnte, aber außer einer Ähnlichkeit mit der Tarnfarbe von Bundeswehruniformen war hier nichts Berauschendes zu entdecken...bis auf die letzte Boje zum Passieren. Danach ging es etwas nach rechts, denn zwischen dem Eingang des Yachthafens und einer abgetrennten Bucht einer Surfschule lag ganz fein zu erkennen mit blau-weißen Fahnen und einem Aufgang: das Ziel! Davor schienen gelbe Fahnen zu sein...bei einer gewissen Annäherung entpuppten sich die Fahnen jedoch als Helfer der DLRG mit gelben Shirts. Jetzt nur noch ein paar Züge, noch ein paar Züge...ok noch ein paar Züge mehr, dann bin ich da. Das Wasser wurde sehr kabbelig, so dass es schwer war vernünftige Kraulzüge hinzubekommen. Ein anderer Teilnehmer war komischerweise sehr nahe bei mir, obwohl wir extrem viel Platz hatten. Zwischendurch gerieten wir mit den Armen aneinander und man fragt sich, wie das bei so einem weit auseinander gezogenen Feld und einer so großen Breite der Strecke doch zustande kommen kann. Aber so hatte man noch einen Begleiter bis zum Ziel und man schien sich nochmal gegenseitig zu fordern, denn als ich schneller schwamm, wurde er auch schneller und umgekehrt. Das artete irgendwie in ziemlich hoher Anstrengung aus, aber Beschäftigung lenkt bekanntlich ab und so war das Ziel schneller da als erwartet. Nach 1 Std. und 45 min. in der waagerechten Lage und mit ständigem Wellengang war eine kleine Hilfe beim Aufstehen ganz nett. Langsam trottete man zur Zeitaufnahme. Ich war noch gar nicht ganz aus dem Wasser, da hatte ich die Badekappe schon ab...endlich! Danach erstmal die verlorene Energie wieder reinholen und etwas trinken, um den Salzgeschmack aus dem Mund zu bekommen. Der Fanclub stand schon bereit, um uns alle in Empfang zu nehmen. Beim Umdrehen sah ich meine Zeit und war sehr begeistert. Mit unter zwei Stunden hätte ich nicht gerechnet, aber die Strömung trug viel dazu bei. Nach und nach kamen auch die anderen ins Ziel. Alle unversehrt und gesund, froh und stolz die Strecke geschafft zu haben.

Nach dem gemeinsamen Essen einer wohlverdienten Erbsensuppe ging es zurück nach Norddeich mit der Fähre. Auf der Fahrt konnte man noch ein paar Robben beobachten, wie sie faul und tiefenentspannt auf einer Sandbank lagen. Nachdem wir unsere Autos erreicht hatten, ging es auch schnell wieder Richtung Braunschweig, wo wir gegen 23 Uhr ankamen. Kurioserweise sind wir in Norddeich bei 20° Außentemperatur um 18 Uhr gestartet, nachts in Braunschweig waren es jedoch ganze 28°. Da wollte man irgendwie wieder zurück an die angenehme Nordsee.

Es war ein sehr schönes Wochenende mit einer tollen Truppe. Besonderen gefallen hatte ich daran viele, die man nur noch sehr selten sieht, mal wieder zu sehen. Nächstes Jahr wird eine Wiederholung angestrebt. Den Weg nach Norderney kennen wir ja jetzt und vllt machen auch noch ein paar mehr Leute mit.

Kategorie(n)
Bericht, Einsatz, Rettungssport, Aus der OG

Von: Christian Plagge

zurück zur News-Übersicht